mut fordert fundamentale Veränderungen im Bildungswesen

Wenn es um die Zukunft und Perspektiven der bayerischen Schüler*innen geht, reicht es nicht, nur über das kommende Schuljahr zu sprechen. Wir brauchen eine mittel- und langfristige Planung, aber vor allem fundamentale Veränderungen. Die Staatsregierung muss Lehren aus den vergangenen Monaten ziehen, in denen auch viele alte Versäumnisse wie durch ein Brennglas sichtbar wurden.

Deshalb fordert Anja Milosevic, eine unserer Bildungssprecher*innen, im Namen des Forum Bildung:

  • Eine breite Palette an Förderangeboten sowohl im Bereich der sozialemotionalen Kompetenzen als auch im Bereich der kognitiv-fachlichen Kompetenzen
  • Ressourcen finanzieller und personeller Art zur bedarfsorientierten individuellen Förderung, passgenau für die Schule vor Ort
  • Qualitative Ganztagsangebote insbesondere für benachteiligte Kinder und Jugendliche
  • Langfristig individuelle Lern- und Schulzeiten für die Schülerinnen und Schüler durch ein modulares System
  • Umfangreiche Förderangebote, auch in den Schulferien, durchgeführt von bezahlten Drittkräften – Die Freigabe des Schüler- und Elternwillens beim Übertritt in die nächste Jahrgangsstufe in engem Austausch mit den Lehrer*innen
  • Den Aufbau kollaborativer Netzwerkstrukturen in und über die Einzelschulen hinaus

Mit diesen Anliegen und Vorschlägen stehen wir nicht alleine! Diese Forderung stellt aktuell auch der BLLV (Bayerische Lehrer- und Lehrer*innenverband):

https://www.bllv.de/vollstaendiger-artikel/news/bllv-politische-bekenntnisse-reichen-nicht-wo-bleibt-die-spritze-zur-foerderung-unserer-kinder


 

Feministischer Kampftag 8.03.2021

Feministischer Kampftag 8.03.2021

Ein Kommentar von Christine Deutschmann zum internationalen Frauentag:

Erleben wir einen Rollback?

Wo stehen wir, wo wollen wir hin? Erleben wir einen Rollback? Die Corona-Pandemie bringt an die Oberfläche, worauf Feminist*innen schon immer hingewiesen haben. Wenn es hart auf hart kommt, soll die Frau und Mutter zurück an den Herd und sich um die Kinder kümmern. Unabhängig davon, ob sie einen eigenen Beruf hat und ihre Karriere aufs Spiel setzt, Sorgearbeit ist im Verständnis eines Großteils der Gesellschaft weiterhin Frauensache.
Es wird als selbstverständlich gesehen, dass Sorgearbeit auch im privaten Bereich hauptsächlich von Frauen geleistet wird. Kinder haben auch Väter. Doch durch die weiterhin eklatante Ungleichheit in der Entlohnung von Frauen und Männern, ist in der Regel der Mann der „Hauptverdienende“. Viele Mütter arbeiten zudem in Teilzeit um sich um die Kinder zu kümmern. Daraus resultiert auch, dass Armut ein Gesicht hat. Dieses Gesicht ist weiblich und es ist alt. Eine Frau bekommt im Durchschnitt 35 % weniger Rente als ein Mann und ist erheblich mehr gefährdet, in die Altersarmut zu rutschen.

Weiterhin werden überkommene Rollenbilder vorgelebt und anerzogen

Auch in unserer angeblich so aufgeklärten Zeit werden Kindern weiterhin oft völlig überkommene Rollenbilder vorgelebt und anerzogen. Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos, Mädchen tragen Rosa, Jungs dürfen Einhörner nicht toll finden. Wenn ein Mädchen mit Autos spielt statt mit Puppen, ist sie kein „richtiges Mädchen“. Papa arbeitet, Mama bleibt zu Hause, wenn die Kinder krank werden.

Und nun, während des Lockdowns und der geschlossenen Schulen und Kitas lernen die Kinder, dass auch wieder die Mutter zu Hause bleibt, Homeoffice, Homeschooling und Haushalt koordinieren muss und viele Väter weiterhin täglich an ihre Arbeitsstelle fahren.
Im letzten Jahr war eine Forderung des Frauen*streik zum 1. Mai, die Finanzierung staatlich bezahlter Jobpausen an paritätische Vorgaben zu koppeln. Das bedeutet, nur wenn beide Partner*innen sich die Sorgearbeit zu je 50% teilen, gibt es staatliche Unterstützung. Dies würde die Ungleichheitsspirale unterbrechen und für eine fairere Verteilung sorgen.
Doch nicht nur hier muss umgesteuert werden. Es muss eine Aufwertung der, vor allem von Frauen geleisteten Sorgearbeit geben. Die Gehälter für Pflegende müssen erheblich steigen, die Arbeitszeiten- und bedingungen müssen dringend verbessert werden. Nur Klatschen reicht nicht.

Gleichberechtigte Sorgearbeit

Es muss in der Gesellschaft akzeptiert werden, dass Mütter und Väter in gleichem Maße für ihre Kinder verantwortlich sind und sich auch gleichberechtigt die Sorgearbeit teilen. Väter, die in Elternzeit gehen, dürfen beruflich keine Nachteile erfahren. Zur Zeit nehmen laut statistischem Bundesamt nur etwa 30 % aller Väter in Deutschland Elternzeit in Anspruch, die meisten nur für zwei oder drei Monate. Arbeitgeber müssen anerkennen, dass diese Männer verantwortungsbewusst ihrer Pflicht als Väter nachkommen und entsprechend honorieren und fördern, dass Väter die volle Zeit die ihnen zusteht, auch in Anspruch nehmen.
Bis wir das erreicht haben, haben wir noch einen langen Weg vor uns. Solange unsere Regierung zu 2/3 aus Männern besteht und der Frauenanteil in Führungspositionen in der Wirtschaft noch geringer ist, wird sich da auch wenig ändern. Wir brauchen mutige Frauen, die für unsere Gleichberechtigung kämpfen und mutige Männer die respektieren, dass Frauen gleiche Rechte wie Männer und Männer gleiche Pflichten wie Frauen haben.

Christine Deutschmann
Vorsitzende des Bezirksverbandes Mittelfranken

Soziale Gerechtigkeit, aber wie?

Aus Anlass des Welttages der sozialen Gerechtigkeit ein paar Gedanken dazu.

Der 20. Februar ist Welttag der sozialen Gerechtigkeit. Er wurde 2009 von den Vereinten Nationen eingeführt und soll an das Leitbild der sozialen Gerechtigkeit in Gemeinschaften erinnern. Für die UN gehört sie zu den wichtigsten globalen Aufgaben, um Entwicklungsprozesse und die Würde des Menschen zu stärken.

Soziale Gerechtigkeit heißt: Die Lebens­bedingungen und die Chancen und Möglichkeiten sollen für alle Menschen in einer Gesellschaft annähernd gleich sein. Wir von mut denken, dass dies sowohl national als auch global anzustreben ist.

Doch leider sind wir sowohl auf der nationalen als auch auf der globalen Ebene sehr sehr weit weg von der Realisierung dieses Ziels.

Deutlich wird dies unter anderem an der Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland. So besaßen 2018 die oberen 10% der Vermögenspyramide 64% des Vermögens, davon das reichste eine Prozent alleine 30%! Die untersten 10% haben kein Vermögen bzw. Schulden. (1)

Ähnlich verhält es sich bei der Einkommensverteilung. So besaßen 2016 die oberen 10% der Einkommenspyramide mit 23,3% am erzielten Gesamteinkommen mehr als die unteren 40% (21,7%). (2)

Doch auch global nimmt die soziale Spaltung immer mehr zu. Dem 2019 von der Organisation Oxfarm veröffentlichen Ungleichheitsbericht lässt sich entnehmen, das Mitte 2019 die reichsten 10 % der Weltbevölkerung mehr als 80 % des globalen Vermögens besaßen. Allein auf das reichste 1 % der Menschheit entfielen 45 % des gesamten Vermögens der Erde.

Anschaulich wird die krasse Ungleichheit der Vermögen auch durch einen Personenvergleich: Oxfam rechnet das Vermögen der weltweit nur 2.153 Milliardäre zusammen und kommt auf eine Summe von geschätzten 8,8 Billionen US-$ – damit hat eine kleine Zahl von Super-Reichen mehr Geld als die ärmsten 4,6 Milliarden Menschen zusammen (8,2 Billionen US-$). (3)

Diese Zahlen sind sehr abstrakt, um zu verdeutlichen was dies bedeutet – alle 13 Sekunden stirbt auf diesem Planeten ein Kind an Hunger! (4)

Es ist also ein weiter und langer Weg um dem Ziel der sozialen Gerechtigkeit auch nur nahe zu kommen.

Soll diesem Ziel näher gekommen werden, so wird dies nur durch eine massive, an die Wurzeln gehende Umverteilungspolitik machbar sein. Denn der frühere Weg, Sozialtransfers aus dem jährlichen Zuwachs des Bruttosozialprodukts zu finanzieren, er ist nicht mehr zu realisieren und aus ökologischen Gründen auch nicht wünschenswert.

Soll eine annähernde Gleichheit  der Lebens­bedingungen, Chancen und Möglichkeiten für alle Menschen national und global erreicht werden, so wird dies in den Staaten des globalen Nordens ein wesentlich niedrigeren Konsumniveau als derzeit üblich bedingen. Denn der globale Norden lebt auf Kosten des globalen Südens und wir alle profitieren davon. Denn auch der niedrige Wohlstand einkommensschwacher Menschen, ermöglicht durch KIK, ALDI, LIDL und Co., er wird ermöglicht auf Kosten des globalen Südens.

Um Gemeinsamkeit für die Reparatur dieses Planeten, für einen ökologischen und sozialen Umbau herzustellen, bedarf es zuerst Reparationszahlungen der Staaten des globalen Nordens an den globalen Süden.Für den Diebstahl an Rohstoffen durch ungleichen Tausch, für die kaputte Umwelt durch Müllexport und die Schäden durch den Abbau von Rohstoffen, für den Diebstahl von Lebenschancen, von Leben. Und vor allem für Schäden durch den von den Ländern des reichen Nordens verursachten Klimawandel.

Mehr soziale Gerechtigkeit wird in den reichen Staaten des Nordens auf der Basis einer aus ökologischen Gründen schrumpfenden Wirtschaft umgesetzt werden müssen. Der Soziologe Stephan Lessenich hat in einem Interview mit dem Münchner Merkur aufgezeigt das  der Ressourcen- und Energieverbrauch um ⅞ sinken muss, damit dieser Planet für die nachfolgenden Generationen bewohnbar bleibt. (5)

Die Devise lautet: weniger produzieren, gerecht teilen, gemeinsam entscheiden, um besser zu leben. Dieser industrielle Um- und Rückbau ist allerdings nur durch eine gesellschaftliche Aneignung und Kontrolle auf sinnvolle Weise möglich.

Um eine sozial gerechtere, eine die Gleichheit  der Lebens­bedingungen, Chancen und Möglichkeiten aller Menschen garantierenden Gesellschaft zu erreichen, bei einem wesentlich geringeren Ressourcen- und Energieverbrauch, muss Wohlstand anders gedacht, anders definiert werden. Nicht immer mehr von allem, stattdessen mehr Zeitwohlstand und weniger aber besserer Konsum des zur Erhaltung nötigen.

Existenzsichernde gesetzliche Mindest- und begrenzende Höchsteinkommen (6) sowie eine massive Arbeitszeitverkürzung (7) in Verbindung mit dem freien und gleichen Zugang zu hochwertigen Einrichtungen und Dienstleistungen der Sozialversicherungen, an deren Finanzierung im Sinne von mehr sozialer Gerechtigkeit, mehr Gleichheit wiederum alle Bürger*innen mit allen Einkommen  über Bürgerversicherungen beteiligt werden sollten, das könnten erste Schritte hin zu einer sozial gerechteren, die Interessen der Länder des globalen Südens und der Umwelt berücksichtigenden Gesellschaft sein.


(1)https://www.dgb.de/themen/++co++39b36c8c-eff8-11e9-8982-52540088cada

(2)https://m.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61769/einkommensverteilung

(3)https://zahlenbilder.de/welt/weltwirtschaft/wirtschaftsstruktur/39951/die-armen-und-die-reichen-globale-vermoegensverteilung

(4)https://www.unicef.de/lpg/hunger-2019/

(5)https://www.merkur.de/bayern/mut-partei-fordert-oekologische-transformation-umweltpolitik-muss-wehtun-10261151.html

(6)https://www.postwachstum.de/einkommens-vermoegensgrenzen-aus-degrowth-sicht-20190603

(7)https://www.isw-muenchen.de/2019/12/gewerkschaften-sozial-oekologische-transformation-und-arbeitszeitverkuerzung/


 

#DruckvomKesselnehmen – Forderungen am internationalen Tag der Bildung

#DruckvomKesselnehmen – Heute, am internationalen Tag der Bildung, stellt das Forum Bildung euch ihre Forderungen vor:

Während des Lockdowns:

  • Leistungsnachweise müssen deutlich weiter reduziert werden.
  • Der Übertritt in der vierten Klasse soll vom Elternwillen und nicht vom Notenschnitt abhängig gemacht werden, wobei ein ausführliches Beratungsgespräch mit der Lehrkraft stattfinden muss.
  • Der Lehrplan muss reduziert werden, d.h. nur die wichtigsten Schlüsselkompetenzen im jeweiligen Fach werden vorgegeben und der Rest des Schulstoffs wird von jeder einzelnen Lehrkraft bestimmt.
  • Neben den Hauptfächern müssen die weiteren Fächer auch im Distanzunterricht unterrichtet werden, besonders die Fächer zur Förderung der Kreativität und Bewegung dürfen nicht komplett wegfallen. Wir schlagen vor, Menschen aus der Kultur- und Sportszene, die während der Pandemie kaum Arbeit haben, in den Distanzunterricht mit einzubinden.
  • Kinder, die keinen geeigneten Arbeitsplatz zu Hause benutzen können, sollten einen festen Arbeitsplatz an der Schule erhalten.

Nach Öffnung der Schulen:

  • Allgemeine Hygienevorgaben müssen auch an Schulen eingehalten werden, insbesondere die 1,5 m Abstand müssen auch während des Präsenzunterrichts möglich sein. Deswegen muss ein Hybridunterricht ermöglicht werden, mit klaren und konkreten Regelungen hinsichtlich der Umsetzung des Präsenz- und Distanzunterrichts.
  • Um ein Infektionsrisiko auf dem Schulweg zu reduzieren, sollte der Stundenplan flexibler gestaltet werden, sodass der Unterricht nicht in allen Klassen um 8:00 Uhr beginnt, sondern gestaffelt und analog dazu auch entsprechend endet.

 

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie Teil 7

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie

Teil 7

Familie

Familien sind in der Corona Pandemie besonderen Belastungen ausgesetzt. Finanzielle Not, Existenzängste und die enorme Belastung durch fehlende Betreuung machen vielen Familien zu schaffen. Ein gesichertes Einkommen könnte gerade Familien enorm entlasten. Denn Arbeit und Betreuung kann und darf nicht gleichzeitig geschehen.

Kinder müssen den höchsten Schutz erfahren, denn sie sind am Schutzbedürftigsten. Kinder, die durch den Wegfall von Betreuungsangeboten verstärkt häuslicher Gewalt (u.a.) ausgesetzt sind, müssen geschützt werden.

Isolation von infizierten Kindern

Die Isolation von infizierten Kindern innerhalb der eigenen Familie ist psychische Gewalt. Sie verletzt Kinderrechte und darf zu keinem Zeitpunkt eine Option sein. Vielmehr müssen Familien die Möglichkeit haben, mit dem Kind in Quarantäne gehen zu können. Hierbei sollte der Staat Hilfe geben und nicht Ängste schüren.
Auch werdende Eltern haben in der Pandemie mit vielen Ängsten zu kämpfen. Schwangere müssen während und nach der Geburt die Möglichkeit haben, von einer Person ihres Vertrauens durchgehend begleitet zu werden.

Beitrag aus dem Forum Familie

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