Jan Erdmann

Jan Erdmann ist selbst seit vielen Jahren im Pflegeberuf tätig. Bei mut ist er Sprecher für das Thema Pflege und Gesundheit. Er kämpft für die Aufwertung der Pflegeberufe und für die Verbesserung der Rahmenbedingungen im Bereich der Gesundheitsversorgung. In diesem Sinne arbeitete Jan Erdmann maßgeblich an den Punkten zum Thema Gesundheit und Pflege in unserem Programm mit:

Pflege

Pflege und Gesundheit gehören zur Daseinsvorsorge und dürfen nicht weiter dem Prinzip der Gewinnerzielung unterworfen sein. Sie dürfen nicht als lukrative Investitionsobjekte betrieben werden, da Gesundheit ein Menschenrecht ist. Dies bedeutet für uns, dass die Menschen in Bayern ein Recht auf eine gute Versorgung haben: in Krankenhäusern, in der Psychiatrie, in Pflegeheimen und in der ambulanten Betreuung.

Mit der Einführung der Fallpauschalen in den Kliniken und der Pflege, zumal in der Altenpflege, wurde auf Ausgabenreduktion gesetzt. Stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste und Krankenhäuser wurden gezwungen, nicht nur kostendeckend zu wirtschaften, sondern Gewinne zu erzielen, um am Markt bestehen zu können. Pflege und Gesundheit wurden zu einem lukrativen Markt für Investoren – mittlerweile zeigen sich deutlich die Folgen für Patient*innen, Pflegekräfte, Hebammen und Therapeut*innen. Für die Qualität der Versorgung der Menschen sind drei Elemente besonders wichtig:

Die bauliche und technische Ausstattung sowie insbesondere die Anzahl der Mitarbeiter*innen und nicht zuletzt deren qualifizierte Aus-, Fort- und Weiterbildung. Gerade Personalmangel schadet den Patient*innen und verletzt diese in ihrer Würde. Personalmangel gefährdet die Gesundheit – Patient*innen z. B. in Krankenhäusern mit besserer Personalbesetzung haben signifikant bessere Ergebnisse als bei schlechter Besetzung. Der Personalmangel hinterlässt auch bei den Pflegenden Spuren. Der Krankenstand und die Rate spezifischer Erkrankungen sind in dieser Berufsgruppe überdurchschnittlich hoch. Gerade im Bereich der Krankenhäuser wurde in Bayern bisher nichts unternommen, um die Situation zu verbessern. Es ist den Ländern ausdrücklich freigestellt, ergänzende Qualitätsanforderungen im Rahmen der Landeskrankenhausplanung zu entwickeln. Der überwiegende Teil der Bevölkerung wünschtsich, solange wie möglich in der häuslichen Umgebung versorgt zu werden. Um die Versorgung zu gewährleisten und ggf. pflegende Angehörige finanziell und gesundheitlich zu entlasten, müssen hier weitere Angebote gemacht werden. Die Schaffung eines Landespflegeamts hilft dabei nicht.

mut steht für:

  • die Einführung einer Pflegekammer für Bayern, damit die Pflegekräfte ihre
    Interessen wirksam vertreten können,
  • die Beförderung der Akademisierung und des Zugangs zum dualen
    Ausbildungssystem, ohne bestehende Zugangswege zu Pflegeberufen zu
    versperren oder abzuwerten,
  • die Förderung der Weiterqualifizierung, um damit Pflegekräfte auch finanziell
    besser zu stellen,
  • die Pflicht für die Arbeitgeber*innen, Fortbildungen für Voll- und Teilzeitkräfte
    zu ermöglichen,
  • eine bessere Bezahlung von Pflegekräften – Bayern kann hier als Land bei den
    eigenen Häusern mit gutem Beispiel vorangehen,
  • die Einbeziehung von Qualitätsanforderungen in die Krankenhausplanung,
  • eine deutliche Verbesserung der Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Bayern sowie der Finanzierung der Krankenhäuser. Insbesondere muss eine Mindestpersonalzahl für Pflegekräfte und andere Berufsgruppen im Krankenhaus definiert und der tatsächliche Investitionsbedarf für die Krankenhäuser erstattet werden, indem er durch den Freistaat übernommen wird,
  • Transparenz bezüglich der Einhaltung von Qualitätsanforderungen und
    Personalvorgaben,
  • die Berücksichtigung der je spezifischen Situation von Pflegenden und hierbei des besonderen Personalbedarfs z. B. bei psychisch Kranken, Kindern und Alten,
  • die genaue Überprüfung von Kosten, die im Pflegesektor z. B. durch
    Medikamente entstehen,
  • die Wiederabschaffung des Landespflegeamts und die Verwendung der Einsparungen für Investitionen bei den Hilfs- und Heilmitteln und der Entlastungvon pflegenden Angehörigen. Pflegebedürftigkeit darf kein Risiko für Altersarmut der Nachfolgegeneration werden.

Hebammen

Über die Not von Hebammen wird schon viel zu lange debattiert. Jetzt ist es Zeit zu handeln, geht es doch um den Beruf, der fast ausschließlich ein reiner Frauen-Beruf ist – und darum, dass es Frauen und Kindern gut gehen soll. Es ist ein Armutszeugnis, wie viele Geburtsstationen im ländlichen Bereich aufgrund der fehlenden Rentabilität geschlossen wurden. Die Geburtskliniken in den Ballungszentren sind mittlerweile nicht mehr in der Lage, den Ansturm aufzufangen. Freie Hebammen geben ihren Beruf auf, weil sie sich die Kosten der Berufshaftpflicht nicht mehr leisten können und Beleghebammen werden aus Kostengründen von den Kliniken nicht eingestellt.

mut steht für:

  • ein Vergütungssystem, bei dem sich für Kliniken eine natürliche Geburt wieder
    lohnt,
  • das flächendeckende Vorhalten von Geburtskliniken und mit ausreichend
    qualifiziertem Personal und wenn notwendig staatlicher Förderung,
  • die dringende Neuregelung der Vergütung von Hebammen, um den Beruf wieder
    attraktiv zu machen,
  • die Einrichtung eines Haftungsfonds für Hebammen.

Psychiatrische Versorgung

Bayern ist völlig unterversorgt – sowohl was die ambulante als auch die stationäre Behandlung von psychischen Erkrankungen betrifft. Seit Jahren zeigt sich mit dem Psychiatrie-Unterbringungsgesetz, dass das Gesetz und die gesamte Haltung der Staatsregierung davon geprägt sind, die Psychiatrie als Gefahrenabwehr, nicht als Hilfe zu begreifen. Entsprechend repressiv wurde das Gesetz gestaltet. Auf Grund von zahlreichen Protesten gab es zwar Verbesserungen an dem Gesetz, doch diese reichen nicht aus.

mut steht für:

  • eine Förderung der ambulanten und stationären Angebote. Es kann nicht sein, dass die Kliniken regelmäßig überfüllt sind und Patient*innen auf dem Flur liegen müssen,
  • die Idee der Hilfe für und ausdrücklich nicht der Überwachung von Menschen
    mit psychischer Erkrankung.
  • Ein Gesetz zur psychiatrischen Unterbringung darf nichts mit der Idee von Straftäter*innen zu tun haben.

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