„Fasching statt Faschos“ Aktion – Rede Marie-Luise Kunst

Aktion: „Fasching statt Faschos“

Am 24.2.1920 wurde die Umbenennung der “Deutschen Arbeiterpartei” in “Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei” bekanntgegeben und deren “25-Punkte-Programm” vorgestellt, welches die Grundlage dafür bildete, was uns heute als zweiter Weltkrieg und Holocaust/Shoah bekannt ist.
Um zu verhindern, dass Nazis diesen Tag in der “Hauptstadt der Bewegung” mit Aufmärschen feiern können, hatte Die PARTEI alle historisch belasteten Gebäude in München besetzt und neben mut Bayern, „Die Urbane. Eine HipHop Partei“, die „Sippschaft Chiemgau“, „AfD – Antifaschistische Dirndl“, und „DIE LINKE. München“ als Unterstützer gefunden.
Vielen Dank an Die PARTEI München für die Idee und die Orga.

Im Rahmen der „Fasching statt Faschos“ Aktion sprach Marie-Luise Kunst für mut:

„Liebe alle,

heute vor 100 Jahren wurde die Deutsche Arbeiterpartei in NSDAP umbenannt. Adolf Hitler, der erst im September 1919 in die DAP eingetreten war, verkündete am Abend des 24. Februar 1920 im Hofbräuhaus ein 25-Punkte-Programm, in dem sich der Nationalismus und Antisemitismus der Partei bereits überdeutlich ausdrückte.

Der Nationalsozialismus kam damals nicht von außen nach Deutschland, er wuchs in Deutschland heran, er hatte hier seine historischen Wurzeln und er wurde hier, von denen, die an der Macht waren, nicht ernsthaft genug bekämpft.

Wenn Politiker*innen heute Statements zu rassistischen Attentaten abgeben, dann ist oft die Rede vom „Angriff auf unsere weltoffene Gesellschaft“. Doch auch der Rechtsextremismus heute kommt nicht als Angriff von außen. Und die weltoffene Gesellschaft ist nur die halbe Wahrheit.

  • Sind wir weltoffen, weil wir Fernreisen in Länder unternehmen, deren Bevölkerung finanziell nie im Leben in der Lage sein wird, uns einen Gegenbesuch abzustatten?
  • Sind wir weltoffen, weil wir Smartphones aus China, T-Shirts aus Bangladesch und Rosen aus Kenia importieren?
  • Sind wir weltoffen, weil wir Sushi essen, Yoga praktizieren oder Salsa tanzen?

Wir nehmen mit, was wir kriegen können von der Welt, Spaß, Konsum und Erlebnisse.
Aber weltoffen sind wir deshalb noch lange nicht.

Wenn in anderen Regionen der Welt Menschen um ihr Leben fürchten, vor Krieg, Terror und Hunger fliehen, dann fühlen wir uns von einer Flüchtlingswelle bedroht.

Wir machen die Grenzen dicht.
Wir handeln Deals aus, die uns die Flüchtlinge vom Leibe halten.
Wir schauen weg, wenn Menschen in Wüsten und im Meer umkommen.
Dann sind wir nicht mehr weltoffen, dann sind wir weltverschlossen.

Dass ist der Ursprung des Übels. Und er ist nicht wieder da, er war nie verschwunden.
Das „Wehret den Anfängen“ ist eine Illusion. Die sogenannte wehrhafte Demokratie wehrt sich erfolgreich dagegen, dass Menschen einreisen und verabschiedet Gesetze, um Geflüchtete, die Asyl beantragen, möglichst schnell wieder loszuwerden.
Aber sie wehrt sich nicht gegen den Rassismus, der von innen mit seiner kriminellen Energie unsere Gesellschaft vergiftet.
Unsere Weltoffenheit ist eine egoistische, eine hedonistische.
Sie hat nichts zu tun mit Solidarität, nichts zu tun mit dem Gedanken an die Gleichheit aller Menschen.

Und so ist die Rede von dem „Angriff auf unsere weltoffene Gesellschaft“ nur eine Abwehr dessen, dass wir plötzlich vor Augen geführt bekommen, was wir so gerne nicht sehen wollen:

Dass unsere Gesellschaft zutiefst in nationalistischem Denken verhaftet ist, die zwischen Menschen unterschiedlicher Staatsbürgerschaft unterscheidet.
Dass es uns selbstverständlich geworden ist, zwischen verschiedenen Arten von Menschen zu unterscheiden, von denen die einen hierhergehören und die anderen nicht und gegenüber denen es deshalb „Fremdenfeindlichkeit“ gibt.
Dass wir uns nicht bewusst machen, wie unverschämt privilegiert wir sind. Und dass wir, statt uns und unsere Gesellschaft permanent zu loben, mal ein bisschen demütiger sein sollten.

Um weltoffen zu werden, müssten wir darauf verzichten, andere auszubeuten.
Wir müssten die halboffene Grenze zwischen uns und der Welt niederreißen und uns dem aussetzen, was eine weltoffene Gesellschaft wirklich bedeuten würde.

Es lohnt sich dafür zu kämpfen. Es lohnt sich in einer globalisierten Welt den logischen nächsten Schritt zu gehen.

Lasst uns dafür sorgen, dass unsere Enkel den Nationalismus in den historischen Museen mit befremdetem Kopfschütteln quittieren.“


Die Rede von Marie-Luise Kunst zur Aktion: „Fasching statt Faschos“gibt es auch als Video: Rede auf YouTube


 

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