Bildung während der Covid-19-Pandemie

Stellungnahme des mut-Forums „Bildung“ zum Thema „Bildung während der Covid-19-Pandemie“

Am 27. Juli beginnen in Bayern die Sommerferien 2020. Spätestens dann ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme der Umstellung regulären Unterrichts auf „Home-schooling“ infolge der Covid-19 Pandemie: Wo hat Schule unter diesen erschwerten Bedingungen trotzdem noch gut funktioniert, welche „Home-Schooling“-Konzepte und welche Formen digitalen Lehrens und Lernens sollten in andere Schulen übertragen werden, welche Art der Koordination und Hilfe brauchen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleiter*innen und Eltern, um besser gerüstet ins neue Schuljahr starten zu können? Die dabei sichtbar werdenden Antworten und notwendigen Hilfen benötigen in ihrer Umsetzung die Politik.

Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein, dass die bisherigen zögerlichen Versuche der Digitalisierung der Schulen ein Fehler waren: Die Konsequenzen sind die Zunahme ungerechter Bildungschancen, wie bereits wenige Wochen nach Start des Homeschooling in den öffentlichen Diskursen übereinstimmend festgestellt wurde.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger fordert sogar, dass leistungsschwache Schüler „freiwillig das Schuljahr wiederholen“ sollen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob wirklich nur das Virus für diese Auswirkungen verantwortlich ist ober ob hier nicht zwei Funktionsdefizite unseres Bildungssystems zum Tragen kommen, die seit langem bekannt sind:

Erstens hat Deutschland eines der selektivsten Schulsysteme der westlichen Industrieländer. Es besteht eine starke Korrelation zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund der Eltern und dem Erfolg ihrer Kinder in Schule und Beruf. Zweitens rangiert Deutschland in groß angelegten Vergleichsstudien zu digitalen Lernangeboten (und positiven Einstellung der Lehrkräfte zu digitalem Lernen und Lehren) in der Schule zuverlässig auf den letzten Plätzen.

Entsprechend verwundert es auch nicht, dass von den durch die Bundesregierung im Jahr 2019 bereitgestellten rund fünf Milliarden Euro für die Verbesserung der technischen und pädagogischen digitalen Infrastruktur (Digitalpakt Schule) bis März 2020 erst 140 Millionen Euro von den Schulen abgerufen worden sind. Zudem wurde im Mai 2020 zusätzlich 500 Millionen Euro von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt, die Schulen für die Bereitstellung digitaler Endgeräte verwenden können.

Somit sind durchaus Ressourcen für eine Digitalisierung Schulen vorhanden: sowohl das Geld aus dem DigitalPakt (noch 486 Millionen übrig) als auch Expertise, z.B. von einzelnen Schulen, die bereits erfolgreich digitale Medien in ihren Klassenzimmern nutzen (z.B. Referenzschulen für Medienbildung, Digitale Schule 2020). Es fehlt vor allem an umfassenden und verbindlichen Roadmaps dafür. Ob Schulen über eine ausreichende digitale Infrastruktur verfügen, hängt bisher vor allem vom Engagement einzelner Schulleiter*innen und Lehrer*innen ab.

Diese ungleichen Voraussetzungen und Motivationen haben in den letzten Wochen zu einer Zuspitzung der Ungleichheit geführt. Während es einige Schulen (um genauer zu sein, einzelne Schulleiter*innen und Lehrkräfte) sehr wohl schaffen, Unterricht weiterhin anzubieten und Kontakt mit den Schüler*innen zu halten, sind andere noch weiter abgehängt worden.

Politisch notwendig ist es deshalb, verbindliche Anreize und schulübergreifende Kooperationen einzuführen, um alle bayrischen Schulen zu digitalisieren und bewährte digitale Konzepte allen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung zu stellen.


Die Sprecher*innen des Forums: 

Anja Milosevic

Jana Heinz

Peter Heeren


 

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