mut fordert fundamentale Veränderungen im Bildungswesen

Wenn es um die Zukunft und Perspektiven der bayerischen Schüler*innen geht, reicht es nicht, nur über das kommende Schuljahr zu sprechen. Wir brauchen eine mittel- und langfristige Planung, aber vor allem fundamentale Veränderungen. Die Staatsregierung muss Lehren aus den vergangenen Monaten ziehen, in denen auch viele alte Versäumnisse wie durch ein Brennglas sichtbar wurden.

Deshalb fordert Anja Milosevic, eine unserer Bildungssprecher*innen, im Namen des Forum Bildung:

  • Eine breite Palette an Förderangeboten sowohl im Bereich der sozialemotionalen Kompetenzen als auch im Bereich der kognitiv-fachlichen Kompetenzen
  • Ressourcen finanzieller und personeller Art zur bedarfsorientierten individuellen Förderung, passgenau für die Schule vor Ort
  • Qualitative Ganztagsangebote insbesondere für benachteiligte Kinder und Jugendliche
  • Langfristig individuelle Lern- und Schulzeiten für die Schülerinnen und Schüler durch ein modulares System
  • Umfangreiche Förderangebote, auch in den Schulferien, durchgeführt von bezahlten Drittkräften – Die Freigabe des Schüler- und Elternwillens beim Übertritt in die nächste Jahrgangsstufe in engem Austausch mit den Lehrer*innen
  • Den Aufbau kollaborativer Netzwerkstrukturen in und über die Einzelschulen hinaus

Mit diesen Anliegen und Vorschlägen stehen wir nicht alleine! Diese Forderung stellt aktuell auch der BLLV (Bayerische Lehrer- und Lehrer*innenverband):

https://www.bllv.de/vollstaendiger-artikel/news/bllv-politische-bekenntnisse-reichen-nicht-wo-bleibt-die-spritze-zur-foerderung-unserer-kinder


 

Bildung statt Chaos

Nach über einem Jahr pandemischen Ausnahmezustands fehlt dem gesamten Bildungssektor leider nach wie vor ein professionelles Krisenmanagement, das sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientiert. Statt unter Einbeziehung von pädagogischen Fach- und Führungskräften gesundheitlich und wissenschaftlich gestützte sowie klare Lösungswege zu formulieren, werden in kurzen Abständen immer wieder neue, häufig komplizierte bzw. unklare und zum Teil sogar widersprüchliche Regelungen von Seiten der Staatsregierung verkündet.

Diese gehen häufig an der Realität, den Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Einrichtungen vorbei. Statt einen in solchen Zeiten nötigen, flexiblen Handlungsrahmen zu schaffen, stehen bei der Staatsregierung die politische Interessensabwägung und bei den Behörden die Rechtssicherheit im Fokus. Schwerwiegende Langzeitfolgen für die sozial-emotionale Entwicklung der Kinder und eine gravierende Ungerechtigkeit beim Zugang zu Bildung sind die Folge dieser Politik.

Die Pandemie macht die Versäumnisse im Bildungssystem wie durch ein Brennglas sichtbar.

Offensichtlich fehlen dabei auch elementare technische Voraussetzungen, um einen gerechten Bildungsbetrieb während der Schulschließungen zu gewährleisten. Deshalb müssen dringend Rahmenbedingungen für eine sichere Offenhaltung von Schulen geschaffen werden.

Folgende Maßnahmen sollten daher sofort ergriffen werden:

  • Jede Woche mindestens zwei Antigen-Selbsttests aller Schulakteur*innen, die zu Hause durchzuführen sind. Da dies in Einzelfällen und mit triftigem Grund nicht möglich ist, sind Teststellen in den Schulen einzurichten. Dabei sollen dort nicht die Lehrkräfte, sondern geschultes externes Personal oder Schulgesundheitsfachkräfte die Tests in einem dafür geeigneten Raum oder im Freien vornehmen.
  • Flexibler Unterrichtsbeginn, um das Infektionsrisiko auf dem Schulweg zu reduzieren.
  • Fester Arbeitsplatz an der Schule für Schüler*innen, die zu Hause keine adäquaten Bedingungen vorfinden. Die Bedürftigkeit sollte durch die Erziehungsberechtigten bzw. Schüler*innen gemeinsam mit den Lehrkräften festgelegt werden.
  • Bildung von solidarischen Lerntandems oder Dreiergruppen fördern. Familien sollen dabei unterstützt werden, Lernpartnerschaften zu bilden. Dabei müssen die Kinder nicht unbedingt in eine Klasse gehen, sondern können sich durch Plattformen vergleichbar mit nebenan.de, passende Lernpartner*innen suchen und gemeinsam abwechselnd in den jeweiligen Haushalten lernen. Lehrkräfte können dabei auch Empfehlungen innerhalb der Klasse bzw. Schule geben.
  • Falschen Stress und überflüssigen Druck vermeiden:
    • Beim Übertritt auf die weiterführende Schule soll der Elternwille entscheiden
    • Weitere Reduktion der Leistungsnachweise, insbesondere in den Abschlussklassen und der 4. Klasse. In der reduzierten Schulzeit sollte das gemeinsame Lernen im Vordergrund stehen, nicht die Erhebung von Leistungsnachweisen. Denn Schüler*innen müssen aus Eigenmotivation und mit Freude lernen, um ihr Potenzial frei entfalten zu können.
  • Solange die Schüler*innen im Distanzunterricht sind, müssen neben den Hauptfächern auch die musischen Fächer unterrichtet werden. Wir schlagen vor, Menschen aus dem Kultur- und Sportsektor, die während der Pandemie ihre Berufe nicht oder nur eingeschränkt ausüben dürfen, aber Interesse an einer Lehrtätigkeit haben, in den Distanzunterricht mit einzubinden.
  • Eine sinnvolle Verschlankung und Entrümpelung des Lehrplans. Die neu gewonnenen Freiräume können von Lehrkräften und Schüler*innen für einen Unterricht genutzt werden, in dem statt Auswendiglernen Verständnis im Vordergrund steht.

 

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie Teil 5

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie

Teil 5 aus dem Forum Bildung

Schulen

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des COVID-19 Virus in den Schulen sind eine wichtige Säule der Pandemiebekämpfung, müssen aber vor allem das Wohlergehen der Kinder und Jugendlichen im Blick haben. Auch der Schutz, der im Bildungssektor beschäftigen Menschen ist gebührend zu berücksichtigen. Leider mussten wir gerade in den Schulen feststellen, dass die bayerische Staatsregierung die Erfahrungen aus dem Frühjahr und den Vorbereitungszeitraum im Sommer und Frühherbst nicht genutzt hat, um Konzepte zu entwickeln und Maßnahmen zu ergreifen, die in den Schulen eine effektive Bekämpfung von Ansteckungen und einen angemessenen Schutz von Schüler*innen und Personal gewährleisten. Die aktuelle Klage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft gegen den Freistaat Bayern und die Stadt München unterstreicht diesen Vorwurf.

In der Debatte über das Für und Wider des Präsenzunterrichts sind wir der Auffassung, dass Präsenzunterricht vor allem für jüngere Schüler*innen sinnvoll und unentbehrlich ist, da die soziale Interaktion einen wesentlichen Teil der Lernvermittlung ausmacht. Wir waren und sind nach wie vor der Meinung, dass es notwendig ist, ältere Schüler*innen mindestens ab der achten Klasse hybrid zu unterrichten, das heißt maximal die Hälfte der Schüler*innen befinden sich im Klassenraum, während die andere Hälfte zu Hause online den Unterricht mitverfolgt und idealer Weise auch interagieren kann. Die Auswahl der Schüler*innen, die zu Hause bleiben, richtet sich zunächst danach, ob sie oder Personen ihres Haushalts einer Risikogruppe angehören sowie danach, wie gut deren aktuelle Bedingungen für das Lernen zu Hause sind (gute Netzwerkverbindung, Verfügbarkeit von digitalen Endgeräten, ruhiger Raum). Durch diese Unterrichtsform kann der Abstand von 1,5 Metern während des Unterrichts eingehalten werden und die Gefahr der Ansteckung wäre signifikant geringer.

Für uns ist es gänzlich unverständlich, warum nicht ausreichend über eine „Gleitzeit“ für den Schulbeginn debattiert wurde und diese auch nicht eingeführt wurde. Wir appellieren für einen flexibleren Stundenplan, welcher es ermöglich, dass der Unterricht nicht in allen Klassen um 8:00 Uhr beginnt, sondern gestaffelt von 7:45 bis 8:30 oder sogar bis 9:00 Uhr und analog versetzt endet, um ein Infektionsrisiko auf dem Schulweg zu reduzieren. Die Zustände gerade in der morgendlichen „Primetime“ im ÖPNV sind hochriskant und skandalös.

Das Thema Raumluft bzw. Luftaustausch in Klassenräumen wird unserer Meinung von behördlicher Seite eher hemdsärmelig als verantwortungsbewusst behandelt. Alleine das Beispiel, dass es in einigen Schulen in München Klassenräume gibt, in denen das Lüften durch Öffnen der Fenster nicht ausreichend möglich ist (manche Fenster können nur gekippt oder gar nicht geöffnet werden) und die raumlufttechnischen Anlagen keinesfalls ausreichend den CO2-Wert reduzieren, auf der anderen Seite die Stadt München die Verwendung von mobilen Luftreinigungsgeräte sogar untersagt, ist gesundheitsgefährdend. Wir fordern, den Schulen die Entscheidung zumindest selbst zu überlassen, ob sie mobile Luftreinigungsgeräte benutzen möchten, wobei hiermit selbstverständlich das zusätzliche Lüften durch Öffnen der Fenster, falls es möglich ist, nicht komplett entfällt. Langfristig sollten aus Umweltschutzgründen die raumlufttechnischen Anlagen der Schulgebäude verbessert werden, sodass in Zukunft an allen Schulen auf mobile Luftreinigungsgeräte verzichtet werden kann.

Eine ganz neue Möglichkeit effizient und kostengünstig die Luft zu reinigen, könnten die Lüftungsanlagen des Max-Planck-Instituts sein. Sie „verwirbelt“ nicht, sondern saugt die Luft nach oben ab, was effektiver die Menschen darunter schützen kann, zumal die Luftbewegung im Raum, also auch die Bewegungsrichtung der Aerosole, in der Regel durch Wärmebewegung von unten nach oben ist. Sie wären leicht an der Decke zu montieren und würden nur ca. 200€ kosten. Wir fordern, dass die Wirksamkeit dieser Luftreinigungsmethode näher beobachtet wird und bei der Planung der Luftreinigung von Klassenräumen mitberücksichtigt wird.

Grundsätzlich besteht aktuell eine zu lange Wartezeit für beantragte CO2-Sensoren in Schulen, aber vor allem für digitale Endgeräte für Schüler*innen aus einkommensschwachen Haushalten. Das deutet auch auf einen überlasteten Verwaltungsapparat hin. Wir fordern deshalb, dass im Bildungssektor kurz-, mittel- und langfristig personell und finanziell aufgestockt werden muss, denn selbst vor der Corona-Pandemie gab es bereits einen großen Rückstand, was die Umsetzung der Digitalisierung angeht.

(Außerdem führen die ungleichen Voraussetzungen an unterschiedlichen Schulen seit Monaten zu einer Zuspitzung der Ungleichheit. Während einige Schulen bzw. einige Schulleiter*innen und Lehrkräfte es sehr wohl schaffen, Unterricht auch online umzusetzen und Kontakt mit den Schüler*innen zu halten, sind andere noch weiter abgehängt worden. Politisch notwendig ist deshalb, verbindliche Anreize und schulübergreifende Kooperationen einzuführen, um alle bayerischen Schulen zu digitalisieren und bewährte Konzepte allen Schüler*innen zur Verfügung zu stellen. Am ersten Tag des neuen harten Lockdowns, dem 16.12.2020, gab es durchaus Schulen die bewusst ohne Mebis ihre Onlineveranstaltungen gehalten haben und somit erfolgreich die Schüler*innen zu Hause unterrichtet haben. Hier ist es wichtig sich an diesen Schulen zu orientieren und konkrete Kooperationen mit anderen Schulen zu fördern.)

Vorschule

Auch im Vorschulbereich zeigt sich mangelnde Lösungsbereitschaft. So finden Einschulungsuntersuchungen nicht statt. Wichtige Vorschulkurse entfallen ebenfalls. Viele Kinder werden dadurch nachhaltig benachteiligt. Hierfür müssen unmittelbar (digitale) Lösungen gefunden werden.

Studium

Für Studierende ist es sehr wichtig, dass frühzeitig vor Beginn des nächsten Semesters von Seiten der Regierung klare und einheitliche Rahmenvorgaben gemacht werden, insbesondere was Präsenzunterricht und Prüfungen betrifft. Vor allem Studierende, die für das Studium in eine neue Stadt ziehen, müssen rechtzeitig vor Semesterbeginn wissen, ob und wie viel Präsenzunterricht stattfindet. Auch muss klar sein, wie die Prüfungen ablaufen und es müssen pauschale Möglichkeiten zur Notenverbesserung und Wiederholung von Prüfungen aus dem Sommersemester 2020 und dem Wintersemester 2020/2021 bestehen, unabhängig von der Prüfungsordnung. Außerdem sollten diese beiden Semester nicht zur Regelstudienzeit angerechnet werden. Ein besserer Zugang zu digitaler Literatur muss für alle Studierenden zur Verfügung stehen.

Die Finanzierungshilfen müssen unbürokratischer genutzt werden können, vor allem von Studierenden, deren Nebenjob weggefallen ist. Die aktuellen Hilfen des BMBF können meist erst in Anspruch genommen werden, wenn praktisch kein Geld mehr vorhanden ist und Studierende bereits große existenzbedrohliche Schwierigkeiten haben.

Im Großen und Ganzen fehlt im gesamten Bildungssektor ein professionelles Krisenmanagement, das sich an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen sowie der pädagogischen Fach- und Führungskräfte richtet. Stattdessen werden in kurzen Abständen immer wieder neue, häufig komplizierte und zum Teil sogar widersprüchliche Regelungen von Seiten der Staatsregierung verkündet, die häufig an der Realität, den Möglichkeiten und den Bedürfnissen der Einrichtungen vorbei gehen. Nicht die Sache steht aktuell politisch im Vordergrund, das heißt pädagogisch sowie gesundheitlich wissenschaftlich gestützte, klare, sinnvolle und flexible Lösungen. Stattdessen steht bei der Staatsregierung die Interessensabwägung und bei den Behörden die Rechtssicherheit im Fokus. Das darf nicht sein. Kinder & Jugendliche, Auszubildende & Studierende sowie pädagogische Fach- & Führungskräfte müssen mehr in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Wissenschaftliche Stimmen und die Expertise aus dem pädagogischen Sektor müssen endlich ernst genommen werden.

Weiterlesen „Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie Teil 5“

Offenes mut-Treffen in Augsburg – Themenschwerpunkt Kinder/Bildung

Am 7. August 2020 fand ein bildungspolitisches mut-Treffen in der Mühle Dreizehn in Augsburg statt.

Unsere Themensprecherin Anja Milosevic sprach über die Hauptprobleme in unserem Bildungswesen: Es ging nicht nur um erhebliche Rückstände in der Digitalisierung sondern vor allem darum, dass das gesamte Schulsystem die Kinder zu wenig zum selbstständigen und selbstbestimmten Lernen motiviert und Kinder aus bildungsfernen Familien grundsätzlich vernachlässigt. Unter anderem wurde die Gemeinschaftsschule als erstrebenswertes Model vorgestellt.

Fazit des Abends war, dass eine grundlegende Reform des Bildungssystems ein wesentlicher Schlüssel zu einer solidarischen, gerechten und nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft darstellt.

 


 

Offenes mut-Treffen in Augsburg – Themenschwerpunkt Kinder/Bildung

 

Wir wollen Euch sehr herzlich zu unserem Treffen in Schwaben einladen.

Unsere Themensprecherin Anja Milosevic rückt an diesem Abend das Thema Bildung in den Mittelpunkt: Ist der digitale Rückstand im Bildungswesen das Hauptproblem, dass durch die Corona-Krise verstärkt zu Tage gekommen ist? Oder wird viel mehr deutlich, dass das gesamte Schulsystem die Kinder zu wenig zum selbstständigen und selbstbestimmten Lernen motiviert und Kinder aus bildungsfernen Familien grundsätzlich vernachlässigt? Wie sollte das Schulsystem gestaltet werden, damit alle Kinder ihr Potential optimal entfalten können? Was für ein Gewicht sollte die Förderung der sozialen Kompetenz haben?

Datum: Freitag, 7. August 2020

Uhrzeit: 19:00 Uhr

Ort: DREIZEHN (in der Kresslesmühle), Barfüßerstr. 4, 86150 Augsburg, muehle-dreizehn.de

Gern stehen wir an diesem Abend auch für allgemeine Fragen zur Partei mut zur Verfügung, wenn Ihr wissen möchtet, was uns bewegt, wofür mut steht und wie Ihr vielleicht selbst mitmachen könnt. 

Die Einladung richtet sich ausdrücklich auch an Nichtmitglieder.

Vor Ort gelten natürlich die aktuellen Hygienebestimmungen.

Einlassvorbehalt

Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische, homo-/transphobe oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, sind von der Veranstaltung ausgeschlossen.


 

Bildung während der Covid-19-Pandemie

Stellungnahme des mut-Forums „Bildung“ zum Thema „Bildung während der Covid-19-Pandemie“

Am 27. Juli beginnen in Bayern die Sommerferien 2020. Spätestens dann ist es Zeit für eine Bestandsaufnahme der Umstellung regulären Unterrichts auf „Home-schooling“ infolge der Covid-19 Pandemie: Wo hat Schule unter diesen erschwerten Bedingungen trotzdem noch gut funktioniert, welche „Home-Schooling“-Konzepte und welche Formen digitalen Lehrens und Lernens sollten in andere Schulen übertragen werden, welche Art der Koordination und Hilfe brauchen Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Schulleiter*innen und Eltern, um besser gerüstet ins neue Schuljahr starten zu können? Die dabei sichtbar werdenden Antworten und notwendigen Hilfen benötigen in ihrer Umsetzung die Politik.

Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein, dass die bisherigen zögerlichen Versuche der Digitalisierung der Schulen ein Fehler waren: Die Konsequenzen sind die Zunahme ungerechter Bildungschancen, wie bereits wenige Wochen nach Start des Homeschooling in den öffentlichen Diskursen übereinstimmend festgestellt wurde.

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Hans-Peter Meidinger fordert sogar, dass leistungsschwache Schüler „freiwillig das Schuljahr wiederholen“ sollen. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob wirklich nur das Virus für diese Auswirkungen verantwortlich ist ober ob hier nicht zwei Funktionsdefizite unseres Bildungssystems zum Tragen kommen, die seit langem bekannt sind:

Erstens hat Deutschland eines der selektivsten Schulsysteme der westlichen Industrieländer. Es besteht eine starke Korrelation zwischen dem sozioökonomischen Hintergrund der Eltern und dem Erfolg ihrer Kinder in Schule und Beruf. Zweitens rangiert Deutschland in groß angelegten Vergleichsstudien zu digitalen Lernangeboten (und positiven Einstellung der Lehrkräfte zu digitalem Lernen und Lehren) in der Schule zuverlässig auf den letzten Plätzen.

Entsprechend verwundert es auch nicht, dass von den durch die Bundesregierung im Jahr 2019 bereitgestellten rund fünf Milliarden Euro für die Verbesserung der technischen und pädagogischen digitalen Infrastruktur (Digitalpakt Schule) bis März 2020 erst 140 Millionen Euro von den Schulen abgerufen worden sind. Zudem wurde im Mai 2020 zusätzlich 500 Millionen Euro von der Bundesregierung zur Verfügung gestellt, die Schulen für die Bereitstellung digitaler Endgeräte verwenden können.

Somit sind durchaus Ressourcen für eine Digitalisierung Schulen vorhanden: sowohl das Geld aus dem DigitalPakt (noch 486 Millionen übrig) als auch Expertise, z.B. von einzelnen Schulen, die bereits erfolgreich digitale Medien in ihren Klassenzimmern nutzen (z.B. Referenzschulen für Medienbildung, Digitale Schule 2020). Es fehlt vor allem an umfassenden und verbindlichen Roadmaps dafür. Ob Schulen über eine ausreichende digitale Infrastruktur verfügen, hängt bisher vor allem vom Engagement einzelner Schulleiter*innen und Lehrer*innen ab.

Diese ungleichen Voraussetzungen und Motivationen haben in den letzten Wochen zu einer Zuspitzung der Ungleichheit geführt. Während es einige Schulen (um genauer zu sein, einzelne Schulleiter*innen und Lehrkräfte) sehr wohl schaffen, Unterricht weiterhin anzubieten und Kontakt mit den Schüler*innen zu halten, sind andere noch weiter abgehängt worden.

Politisch notwendig ist es deshalb, verbindliche Anreize und schulübergreifende Kooperationen einzuführen, um alle bayrischen Schulen zu digitalisieren und bewährte digitale Konzepte allen Schülerinnen und Schülern zur Verfügung zu stellen.


Die Sprecher*innen des Forums: 

Anja Milosevic

Jana Heinz

Peter Heeren


 

Die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung ist nur eine halbherzige Lösung

Ein Kommentar unseres Mitglieds Ortwin Pinke zur Mobilfunkstrategie der Bundesregierung:

Die Mobilfunkstrategie der Bundesregierung ist nur eine halbherzige Lösung

Auf ihrer Klausurtagung am vergangenen Wochenende in Meseburg hatten CDU, CSU und SPD auch den Mobilfunk auf ihrer Agenda. Doch die daraus hervorgehende Mobilfunkstrategie ist nur eine halbherzige Vorgabe.

Deutschland hinkt schon seit langem der Entwicklung und dem Standard anderer Länder im Mobilfunkbereich hinterher. Dabei geht es unseren Mobilfunkbetreibern nun wirklich nicht schlecht, schaut man sich die Umsätze der letzten 10 Jahre an (Quelle: statista). Jedoch ist offensichtlich wenig von diesen Umsätzen wieder zurück in ein flächendeckendes Netz gegangen. Und es ist auch nicht davon auszugehen, dass sich das zukünftig ändern wird, solange nur nach wirtschaftlichen Maßstäben ausgebaut wird. Und das ist auch der Grund, warum eine der führenden und reichsten Industrienationen der Welt beim Mobilfunk nur auf Platz 70 rangiert (Quelle: faz.net).

Ein einfacher Weg hin zu einer flächendeckenden Nutzung im 4G-Netz ist eine klare Vorgabe an die Netzbetreiber zu einem lokalen Roaming. Denn schaut man sich die Karte der Funklöcher der Bundesnetzagentur für alle Provider an (https://breitbandmessung.de/kartenansicht-funkloch), so wären bei einem lokalen Roaming weite Bereich bereits abgedeckt. Dadurch würden sich die Zahl der noch benötigten Sendemasten reduzieren und damit auch die Kosten. Es würde dann ein Funkmast ausreichen, wo momentan gefühlt jeder Betreiber seinen eigenen Mast stehen hat.

Auch aus ökologischer Sicht wäre die Einsparung von überflüssigen Masten sinnvoll, da Errichtung und Betrieb zusätzliche Ressourcen verbrauchen.

Auch muss man darüber nachdenken, den Netzausbau insgesamt unter staatliche Kontrolle zu stellen oder zumindest den Mobilfunkanbietern klare Auflagen zu machen, um auch die ländlichen oder strukturschwachen Regionen nicht zu vernachlässigen. Denn besonders dort wäre der Ausbau wichtig, um sie wieder attraktiver zu machen und damit auch etwas gegen die zunehmende Landflucht zu tun. Gerade in der heutigen Zeit könnten Firmen Kosten reduzieren, indem sie aus den Städten zurück aufs Land gehen. Mal ganz abgesehen von den vielen klein-
und mittelständischen Unternehmen, die im Zeichen der Zeit immer mehr auf Digitalisierung setzen müssen und ohne flächendeckendes LTE nicht mehr konkurrenzfähig sind.

Dies muss aber nun auch zügig passieren. Hier ist eine Aussage wie „für eine flächendeckende 4G-Versorgung wollen die Mobilfunkbetreiber in den kommenden Jahren tausende neue Standorte errichten“ (Quelle: zdf.de) einfach eine viel zu vage Zeitangabe.

Und vor allem sollten wir einen Schritt vor dem anderen machen. In diesem Falle heißt das, dafür zu sorgen, dass ein flächendeckendes 4G-Netz schnellstmöglich Tatsache wird, denn ein entsprechendes 5G-Netz ist noch lange nicht in Sicht und viele Bereiche kommen mit 4G auch locker aus. Darum ist es wichtiger, zuerst diesen schon längst überfälligen Schritt endlich zu machen, und erst dann den Schritt in eine Zukunft mit 5G.

Zusammengefasst heißt das für mich, dass folgende Maßnahmen umzusetzen sind:

  • eine sofortige Regelung für ein lokales Roaming,
  • klare Vorgaben an die Provider zum Bau neuer Sendemasten,
  • ein beschleunigtes Genehmigungsverfahren für neue, notwendige Standorte.

Mein Weg zu mut – Ortwin

Wer ist das? Die da bei mut mitmachen?

Heute stellen wir Euch Ortwin vor.
Wer steckt hinter mut? – Ein paar Beispiele haben wir Euch schon gezeigt [Mein Weg zu mut – alle Geschichten]

Wir haben sie alle gefragt, was sie bewegt und was sie bewegen wollen, wer ihre Vorbilder sind oder wie die Gesellschaft in 20 Jahren aussehen sollte.

Hier sind ihre Geschichten.
Die Menschen hinter mut:

Ortwin

Ob Digitalisierung oder Kreuzerlass, ob Pflegenotstand oder „die Rente ist sicher“, ob Polizeiaufgabengesetz oder der Umgang mit dem Dieselskandal, es gibt einige Themen, die mich dazu geführt haben politisch aktiv zu werden.

Aber wohl der Hauptgrund für mich bei mut aktiv mit zu machen ist und war der Rechtsruck und der Umgang damit in unserer Gesellschaft.

Ich habe noch die Erzählungen meiner Großeltern im Ohr. Ganz ehrlich, so etwas möchte ich weder selbst nochmals erleben, noch wünsche ich das meinen Kindern und Enkelkindern. Für mich der Grund einer der ersten Mitglieder hier in Unterfranken gewesen zu sein und auch der  für meine Listenkandidatur bei der Landtagswahl 2018.

Mein Traum? Wirklich? Eine Erde, eine Welt, mit einer Weltregierung und einer Menschheit. Ohne Hass und Gewalt und mit Menschen die füreinander da sind. Unrealistisch wird nun Mancher sagen. Ja vielleicht oder einfach noch viel zu früh. Noch scheint die Menschheit nicht erwachsen genug dafür zu sein, doch ich bin ein hoffnungsloser Optimist was das betrifft. Ich glaube ans Gute im Menschen. Und daher möchte ich als kleines Rad im Getriebe etwas bewegen – in Bewegung bringen und unserer aller Zukunft wenigstens ein klein wenig mitgestalten.

Eines der wichtigsten Zukunftsthemen und -felder ist für mich die Digitalisierung. Umfangreich und alle Lebensbereiche betreffend müssen wir uns Stück für Stück damit beschäftigen und auseinandersetzen.

Hierbei ist es aber in meinen Augen sehr wichtig, dass wir den Überblick bewahren und alle Bereiche gut koordinieren. Das kommt mir momentan jedoch viel zu kurz. Genau hier will ich ansetzen und mit anderen bei mut dazu aus Ideen und Gedanken neue Politik machen. Beispielsweise machen autonome Flugtaxis nur Sinn, wenn wir eine flächendeckende Infrastruktur im schnellen Mobilfunk-Standard 5G haben. Momentan haben wir aber nicht mal ein flächendeckendes 4G-Netz.

Hier muss Politik, muss der Staat, schleunigst andere Wege gehen, weniger populistisch sondern mehr praktisch.

Vorbilder für mich sind Querdenker und Menschen, die auch mal eine Meinung gegen den Strom abgeben. Einer davon ist der Kabarettist Dieter Hildebrandt, den ich als junger Mann kennen lernen durfte. Oder auch sein Kollege Klaus Havenstein, den heute wohl kaum noch Jemand kennt. Ihn habe ich zu meiner Schulzeit mal für unsere Schülerzeitung bei einem Dreh im Lahntal interviewen dürfen. Und mein politisches Vorbild ist kein anderer als Heiner Geißler, dessen direkte und offene Art ich mochte.

Beruflich bin ich ein Allrounder mit vielen Gesichtern und Berufen. Von der eigenen Internet- und Werbeagentur bis hin zum Angestellten als Softwareentwickler, Industriemeister Kunststoff und Kautschuk oder Servicetechniker für Kaffeemaschinen.

Auch im Ehrenamt habe ich gewirkt, so war ich viele Jahre in Fußballvereinen aktiv. Als Juniorentrainer, aber auch als Trainer einer Frauenmannschaft, habe ich von den Bambinis bis zu jungen Frauen und Männern fast alle Altersklassen durchlaufen, und habe auch ein paar Jahre das Amt des Jugendleiters innegehabt.

Daraus hat sich dann auch für einige Zeit eine Reporterlaufbahn im Bezirksliga- und Frauenfußball ergeben, bei der ich sowohl Artikel als auch Fotos über und von regionalen Spielen für die Zeitung machte.


 

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