Unternehmensgewinne und Kurzarbeit

Unternehmensgewinne und Kurzarbeit

Unternehmensgewinne und Kurzarbeit

Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld ist ein wichtiges Instrument zum Erhalt und Sicherung von Arbeitsplätzen. Ziel ist es, Arbeitslosigkeit zu verhindern und die Bindung zwischen Arbeitnehmer*innen und Unternehmen zu erhalten. Die Kosten dafür werden aus den Einnahmen der Arbeitslosenversicherung finanziert. Im Rahmen der Corona-Pandemie haben viele Unternehmen zurecht Kurzarbeit beantragt. Wenn aber gleichzeitig hohe Gewinne erzielt und Dividenden gezahlt werden, führt das zu einer Umverteilung von unten nach oben.

Die Länder Berlin und Bremen haben im Juni 2020 einen Antrag im Bundesrat gestellt, in dem unter anderem gefordert wird, dass Unternehmen mit Kurzarbeit auf Gewinnausschüttungen verzichten und Boni begrenzen. Diese Initiative wurde an die maßgeblichen Ausschüsse überwiesen und ist bisher im Sande verlaufen, obwohl diese Frage aufgrund der enormen pandemiebedingten staatlichen Kosten einer dringenden Antwort bedarf.

Unternehmensgewinne

Daimler hat am 23.4. einen Reingewinn von mehr als vier Milliarden Euro für das erste Quartal bekannt gegeben und gleichzeitig verkündet, dass mehr als 10.000 Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit gehen müssen. Auch Audi und Ford haben für April und Mai teilweise Kurzarbeit angekündigt. BMW wird auf der Hauptversammlung im Mai 2021 eine hohe Dividendenzahlung beschließen, obwohl im Jahr 2020 die Kosten von mehr als 20.000 Mitarbeiter*innen in Kurzarbeit auf die Solidargemeinschaft umgelegt wurden.

mut fordert ein Ende dieser unsolidarischen Praxis. Unternehmen, die sich Lohnkosten durch die Gemeinschaft der Versicherten finanzieren lassen, dürfen nicht dafür auch noch belohnt werden. Es muss eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden, dass Unternehmen nur dann Gewinne ausschütten oder Dividenden zahlen dürfen, wenn in dem entsprechenden Geschäftsjahr keine Kurzarbeit beantragt bzw. das Kurzarbeitergeld vollständig an die Agentur für Arbeit zurückbezahlt wurde.

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie Teil 4

Positionierung zu den Maßnahmen zur Eindämmung der SARS-CoV2 Pandemie

Teil 4

Wirtschaft

Belastung der öffentlichen Haushalte

Die Corona-Krise belastet die öffentliche Haushalte in Deutschland in einem großen Ausmaß. Allein für das Jahr 2021 sieht der Bundeshaushalt Mehrausgaben von 180 Milliarden Euro vor. Ob dieses Budget reichen wird, steht heute noch in den Sternen. Gleichzeitig schrumpfen die Einnahmen z.B. bei der Gewerbesteuer. Wir sehen auch, dass Vermögende in der Krise sogar noch profitieren und die große Last durch Menschen mit geringerem Einkommen getragen wird.

Es wurden viele unterschiedliche staatliche Hilfsprogramme aufgelegt um Betroffene in der Corona-Krise zu unterstützen. Bei den Hilfen für Unternehmen sehen wir heute, dass dabei jedoch auch Geschäftsbereiche unterstützt werden, welche weder nachhaltig noch klimafreundlich sind. Dabei zeigt uns doch gerade die Corona-Pandemie, wie zerbrechlich unser weltweites Handeln ist. Bei den staatlichen Hilfsprogrammen fehlt jeglicher Blick auf eine nachhaltige und resiliente Transformation unseres Wirtschaftssystems. Wir wollen, dass bei künftigen Wirtschaftshilfen (etwa mit Hilfe einer „Wirtschaftshilfe Umwelt“) Anreize geschaffen werden, Betriebe und Produkte auch in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit für eine Zukunft nach den Lockdowns fit zu machen.

Novemberhilfen kommen zu spät

Bei den Hilfen für kleine Unternehmen, Soloselbständige und Künstler*innen kommt es durch bürokratische Hürden und komplexe Vorgaben zu Verzögerungen bei der Auszahlung. Von den Novemberhilfen sind von den eingeplanten 15 Milliarden Euro Stand Mitte Dezember nur 610 Millionen – also etwa 6% – ausbezahlt. Die Betroffenen brauchen aber jetzt das Geld zum Leben! Gleichzeitig verhindert der Föderalismus, dass dringend notwendige Hilfen ausbezahlt werden, z.B. wenn es parallel Programme zur Künstler*innen-Hilfe des Bundes und der Länder gibt und unklar ist, welcher Personenkreis Anspruch auf welche Hilfe erhält.

Das mut-Forum Wirtschaft fordert

  • eine staatliche Unterstützung oder Beteiligung wird nur Unternehmen gewährt, die einen höheren Beitrag zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens leisten und keine Massenentlassungen durchführen. Direkte Hilfen dürfen nur Unternehmen erhalten, deren Eigentümer sich auch substantiell am Erhalt des Unternehmens und der Arbeitsplätze beteiligen, z.B. durch den Verzicht auf zukünftige Dividenden für die Dauer des staatlichen Engagements.
  • Die November-Hilfen (und die folgenden „Monats“-Hilfen) ersetzen 75% des Umsatzes des entsprechenden Vorjahresmonats. Die Miet- bzw. Pachtzahlungen bleiben aber – bis auf freiwillige Kürzungen – unverändert. Die Last tragen also der Steuerzahler und der Pächter, nicht der Vermieter. Für zukünftige Wirtschaftshilfen muss ein Mechanismus implementiert werden, der es den Pächtern ermöglicht, die Miet- und Pachtzahlungen auf Basis einer gesetzlichen Grundlage zu reduzieren.
  • Die Anträge für die „Monats“- und Überbrückungshilfen müssen online gestellt werden. Die Systeme dazu sind mit heißer Nadel gestrickt und brechen unter Last regelmäßig zusammen. Es muss auch technisch sichergestellt werden, dass sowohl Antragsstellung als auch die Auszahlung zeitnah erfolgen können.
  • Eine besondere Last tragen Alleinerziehende und Familien, in denen beide Eltern arbeiten. Für Kinderbetreuung bei geschlossenen Kitas und Schulen muss oft unbezahlter Urlaub genommen werden oder eine anderweitige Betreuung der Kinder ermöglicht werden. Wir wollen eine Umlage U4 einführen (analog zu den bestehenden Umlagen U1 bis U3 vor). Aus den Einnahmen können im Katastrophen- oder Pandemiefall sowohl der Verdienstausfall der Eltern als auch zusätzliche Maßnahmen zur Betreuung finanziert werden. Eine Umlage in Höhe von 0,3% des Bruttoentgelts würde für den Arbeitgeber im Schnitt monatliche Kosten von etwa 10€ je Arbeitnehmer bedeuten. Der zur Verfügung stehende Topf würde pro Jahr um mehr als 4 Milliarden Euro anwachsen.
  • Die Unterstützung von Personen, die von pandemiebedingten Erwerbseinschränkungen und Nachteilen betroffen sind, sollte umgehend auf ein bedingungsloses Grundeinkommen umgestellt werden. Das verringert den bürokratischen Aufwand und Hilfen kommen schneller dahin, wo sie benötigt werden. Dies gilt sowohl für Personengesellschaften, Soloselbständige und Künstler*innen als auch für Leistungsberechtigte nach SGB II, die auch aufgrund von Corona höhere Kosten haben.
  • Mittelfristig müssen die staatlichen Schulden für Corona auch wieder getilgt werden. Um die staatliche Handlungsfähigkeit für kommende Belastungen, z.B. im Rahmen der Bekämpfung des Klimawandels zu erhalten, muss eine Vermögensabgabe für die Top-1% der Haushalte eingeführt werden. Zusammen mit einer Reform der Erbschafts- und der Kapitalertragssteuer und der Einführung einer Finanztransaktionssteuer erhöht sich so der Spielraum um zukünftigen Herausforderungen zu begegnen.
  • Die Corona-Krise hat aber auch zu kreativen Lösungen geführt, die sowohl den Unternehmen (und damit auch den Angestellten) helfen, als auch für alle Mitbürger*innen die Lebensqualität steigern. Viele Städte haben z.B. mit den sogenannten Schankgärten zusätzliche Gastroflächen zu Lasten von Parkbuchten eingeführt. Dies belebt die Innenstädte und reduziert den Verkehr. Lösungen dieser Art gilt es auch nach der Krise zu erhalten und auszubauen.

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